Der Startwagen (Trolley)
Ein Gestell mit drei Rädern das schneller rollen kann als der Pilot laufen.
Wenn also der Wind nicht weht oder nicht von vorn, bzw. der Fußstart ein Fehlstart werden könnte, dann legst du dich mit dem Hängegleiter in Fluglage auf den Startwagen und kaum hast du das Startzeichen gegeben, bist du in der Luft.

Also warum sollen wir uns Gedanken machen wenn alles so problemlos funktioniert? Doch wenn es einmal kracht, dann kommen die Gedanken automatisch. Dann ist die Verwunderung groß über den Zwischenfall und die Fragen stehen plötzlich im Raum: Wieso? Weshalb? Warum?
Und selbst wenn sich ein Crash erklären lässt, kann er doch von einem weiteren Faktor mit ausgelöst sein, als von dem, den man behoben hat.
Obwohl wir alle überzeugt sind, dass der Start mit unserem Wagen ein sehr sicheres Verfahren ist, möchte ich doch genauere Werte als Beleg aufführen können. Der Anstellwinkel ist beispielsweise nach grober Schätzung über den Daumen gepeilt eingestellt und die Starts funktionieren. Aber:
Wie weit sind wir von einem Grenzbereich entfernt? Wo ist der Ideale Bereich für den sichersten Start?
Ein schönes Beispiel aus den USA (von Robert vermittelt). Wir orientieren uns ja grundsätzlich an den USA. Also machen wir das auch bei einem nicht zu überbietenden Negativ-Beispiel:

Wir sehen ein Bild von einem Drachenstart auf Trolley. Was fällt auf?

1.
Der Pilot fliegt barfuß. Ein Zeichen, daß sich der Freund keine Gedanken macht über die Landung. Wie schnell ist die Sohle verletzt! Die Gelenke kühlen aus in der Luft und bei der Landung plötzliche Belastung! Ein Schuh über die Knöchel wäre angebracht! Warum wohl laufen sich Sportler erst warm? Bei dem geringen Interesse für sein körperliches Wohlbefinden ist es dem Sportsfreund vermutlich egal was sich bei dem Startvorgang sonst noch abspielt.
2.
Die Sicht auf die vorderen Räder zeigt uns einen Blickwinkel von etwa querab hinteres Rad. Und der Steuerbügel ? Da sehen wir von vorne durch. Der Gute hat die linke Hand vom Wagen gelassen und ist mit der Basis aus der Auflage gerutscht obwohl der Drachen keine Anstalten macht, abzuheben. Im Gegenteil, er wird gewaltig nach unten gedrückt. Die seitliche Unterverspannung hängt mächtig durch. Warum klinkt er nicht aus?
3.
Kernpunkt:
Der Anstellwinkel.
Der gewichtigste Fehler insgesamt. Zu gering um Auftrieb zu ermöglichen. Auch wenn das Kielrohr in der Auflage liegt reicht das nicht aus! Durch die Schränkung starker Abwärtsdruck am Aussenflügel. Der Gleiter kann nicht weg vom Wagen.
4.
Das Gabelseil. Die Nachlässigkeit aus Punkt 3 wird noch weiter verschlimmert, durch den Angriffspunkt an der Pilotenaufhängung. Das Gerät wird weit oberhalb des Gesamt-Schwerpunktes bei geringem Luftwiderstand in dieser Lage und Rollwiderstand am Trolley immer mehr vornüber gezogen. Der Pilot lässt sich durchziehen, "vergisst" den Wagen mitzunehmen.
5. Der Pilot lässt sich zu weit durch das Trapez ziehen, der Schwerpunkt verlagert sich auf die Auflagepunkte der Basis, der Anstellwinkel wird immer negativer, der Drachen rotiert zum Tuck. Unterstützt durch den Oberen Angriffspunkt des Gabelseils. Es kommt, was kommen muß.....

Nach dieser Höllenfahrt sind mit Sicherheit ein paar Prellungen in bleibender Erinnerung!
(Hätte schlimmer ausgehen können)
Welche Erfahrungen können wir daraus ziehen? (Der Pilot schmerzhafte)
zu 1.) Barfuß. - Ist jedem seine ureigene Angelegenheit. Die Folgen der Landung sind für den Start nicht relevant. (Wir betrachten hier nur die Vorgänge beim Start)
zu 2.) Die Möglichkeit des Startabbruchs sollte vor Startbeginn in das Bewusstsein gebracht und in einer kritischen Situation ohne Verzögerung genutzt werden. (Klink doch aus!)
zu 3.) Auch wenn der Anstellwinkel gleich Pi mal Daumen funktioniert, warum sollen wir nicht genauere Einstellungen finden? (meine Absicht)
zu 4.) Gabelseil. Benutzen wir nicht. Das Gabelseil hat seinen Sinn im oberen Geschwindigkeitsbereich beim Schlepp um das starke Aufrichtemoment (Pitch) zu vermindern. Der gewünschte höhere Anstellwinkel im Langsamflug (Start) wird dadurch negativ beeinflusst.
zu 5.) Der Pilot müßte stark drücken, damit sich der Schwerpunkt hinter die Aufhängung verschiebt, um den erhöhten Anstellwinkel zu erleichtern (zu ermöglichen).
Drei Möglichkeiten: Ideal, zu flach, zu steil.
Im Startwagen behindern wir den Drachen in seiner Bewegungsfreiheit um die Querachse weil er auf der Basis und auf dem Kielrohr aufliegt und dazwischen hängt der Pilot.
Der ideale Anstellwinkel müßte so aussehen, daß der Drachen bei erreichen der notwendigen Geschwindigkeit gleichzeitig von allen Auflagepunkten abhebt, ohne weitere Korrekturen um die Querachse.
Ein zu flacher Anstellwinkel lässt den Drachen beim Erreichen der erforderlichen Fluggeschwindigkeit nicht abheben weil die Rotation um die Querachse durch das hinten aufliegende Kielrohr und den weit davor hängenden Piloten verhindert wird.
Erst die weitere Beschleunigung wird im inneren Bereich, Kielrohr zur Nase, (größter Anstellwinkelbereich) die Kraft aufbringen, den Drachen in die erforderliche Position zu stellen. Wegen der höheren Geschwindigkeit wird nun recht plötzlich der gesamte Auftrieb den Flügel greifen und hochschnellen lassen. Der Pilot muß sofort korrigieren, den Bügel ziehen.
Ein zu steiler Anstellwinkel erzeugt erst mal unbewusst ein mulmiges Gefühl im Bauch. Warum? Nun so manchem hat es bei falscher Aufbaurichtung den Drachen schon rückwärts weggeblasen, das bleibt dann unterbewusst hängen. Nach dem Motto: Nur jede Angriffsfläche vermeiden. Das ist auch berechtigt, denn so lange der Pilot nicht eingehängt ist, wird der Drachen zum Spielball der Luftkräfte. Eine etwaige Angst vor Strömungsabriss scheint unbegründet. Durch Beobachtungen konnten wir feststellen dass der Drachen bei zu hohem Anstellwinkel erst hinten hochgeht (die Aussenflügel liegen nun mal weit hinter dem Schwerpunkt und drücken dadurch das Heck hoch). In dieser frühen Startphase hält der Pilot immer noch den Trolley in der Hand was mit dem zusätzlichen Gewicht die Nase unten hält. In dieser Version hebt zuerst das Kielrohr von der Auflage ab.
Tatsache in Kurzform: Der Drachen ist durch seine Form (Delta mit S-Schlag / Pitch) ein aerodynamisch sehr eigenstabiles Gerät das sich seine Flugbahn je nach Verhältnis Auftrieb/Gewicht selbst sucht. Auf dem Trolley ist diese Bewegungsfreihei verhindert. Im Extremfall endet der Start wie im obigen Beispiel.
Auf der Suche nach der idealen Startwagen-Einstellung betrachten wir mal den Drachen bei der Landung im Horizontalflug. Bevor der Gleiter seine Überschüssige Fahrt abgebaut hat, sehen wir einen Horizontalflug mit Minimalgeschwindigkeit. In dieser Position auf dem Trolley müsste der Gleiter bei Beschleunigung gleichmässig wegsteigen (Idealfall?)
In ihrer Bauweise sind die verschiedenen Drachen total unterschiedlich. Das Kielrohr kann je nach Typ sehr unterschiedliche Winkel zur Anströmrichtung haben. Im ersten Fall ein Zephyr mit etwa 20°
Der CrossCountry XC (WW) hat schon 24°
Der Merlin liegt mit etwa 30° im oberen Bereich.
 
Wir können jetzt schon sagen: In dieser Lage auf den Trolley gesetzt kann die Einstellung nicht falsch sein. Aber was macht das Kielrohr mit 30° in der Auflage bei einem Startwinkel von 5-10° ?
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Soweit die ersten Beobachtungen.
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