Ikarus und Dädalus
Ikarus, griech. Ikaros, griech. Mythos: Sohn des Daidalos. Als er aus dem Labyrinth des kret. Königs Minos mit seinem Vater zu fliehen versuchte, kam er mit seinen durch Wachs zusammengehaltenen Flügeln der Sonne zu nah und stürzte unweit von Samos ins Meer. - Auf der ältesten Darstellung der Flucht des Daidalos (Vasenbild um 600 v. Chr.) fehlt Ikarus, woraus zu schliessen ist, daß die beiden Gestalten erst spät miteinander verbunden wurden und Ikarus wahrscheinlich ursprünglich mit Ikarios identisch ist.
Ikarios, griech. Mythos: attischer Heros, der Dionysos in Attika aufnahm und zum Dank dafür die Weinrebe und Anweisungen für den Weinbau erhielt. Als er diesen und seinen Spender bekannt zu machen suchte, töteten ihn Hirten und Bauern, vom Wein berauscht, im Glauben, Ikarios habe sie Vergiftet.
Daidalos [>der Kunstreiche<], Daedalus, Dädalus, griech. Mythos: attischer Heros, der auf Kreta das Labyrinth für den Minotaurus schuf. Er gab Ariadne das Garnknäuel, mit dessen Hilfe Theseus aus dem Labyrinth wieder herausfinden konnte, und wurde deshalb von Minos im Labyrinth festgehalten. Um sich zu befreien, fertigte er für sich und seinen Sohn Ikarus Flügel und floh nach Sizilien. Er galt den Griechen als Begründer des griech. Kunsthandwerks und der Großplastik (dädalisch)
Im Altertum wurde D. in Statuen und Statuetten, meist jedoch mit Ikarus auf griech. Vasen und Reliefs, oft auch auf röm. Wandgemälden, dargestellt. Die neuzeitliche Kunst übernahm den Sagenkreis, bevorzugt den Sturz des Ikarus (Tintoretto, P. Bruegel d. Ä., A. Carracci).
Jean Bouchet (1476 - 1558)
Daedalus und Ikarus
fliehen aus dem Labyrinth
Maso da S. Friano (1536 - 1571)
Der Sturz des Ikarus
Holzschnitt
Paris, Bibliothéque nationale de France
Florenz, Palazzo Vecchio