Drachenfliegen in Seißen. Ein Rückblick.
So fing es mal an. Das hatte mit Fliegen noch wenig zu tun, war mehr ein gesteuertes Fallen. Diese Dinger hatten noch keine Flugstabilität, wer damit in den "Flattersturz" geriet hatte keine Zeit mehr ein Testament zu machen.
Die Entwicklung ist auch hier nicht stehen geblieben, die Hängegleiter wurden richtige "Flügel" mit immer besseren Gleitzahlen. Und durch entsprechende Formgebung (S-Schlag bzw Pitch) kam auch eine kalkulierbare Sicherheit dazu.
Um nicht immer in die Berge fahren zu müssen, haben sich in Seißen ein paar Tüftler zusammengetan und eine hydraulische, Zugkraftsteuerbare Winde gebaut mit der man auch im Flachland einen Hängegleiter in die Luft bringen konnte. (Mit der Hoffnung, Thermikanschluss zu finden)

Der Fortschritt in der Drachenfliegerei bestand in der Entwicklung einer Winde, mit der man die Hängegleiter wie die Segelflieger hochschleppen konnte. Der Vorteil: Man musste nicht nach ein paar Meter Gleitflug den Drachen abbauen und wieder zum Startplatz hoch schleppen, man konnte direkt am Startplatz landen.
Dieses Bild entstand 1985 als Franz D. die Idee hatte, Anfängerschulung an der Winde durchzuführen. Der rote Sack mit den hängenden Beinen bin ich, war mein erster Flug an einem Drachen. Das war an der Winde in Seißen. Zugkraft auf 110 kg hochgeschraubt, hat aber kaum 150m Höhe gebracht, was dann gerade mal für einen Kreis gereicht hat, dann waren wir wieder unten. Der Biplace hatte 24 Quadratmeter Fläche. Nach den ersten Laufübungen mit Drachen auf der Schulter habe ich tatsächlich meinen ersten Flug als Flachschlepp an der Winde in 5-10m durchgeführt. Bergfalke hieß das Gerät. Ich war mächtig stolz, daß ich das Gerät über die volle Platzlänge geradeaus halten konnte. Die Methode hat sich aber nicht durchgesetzt, wir haben weiterhin am Hang gelernt. (Gelle Armin?)
Innerhalb von zehn Jahren wurden mit dieser Winde etwa zehntausend Starts durchgeführt. In dieser Zeit haben andere Tüftler mit Motoren experimentiert um den Drachen in die Luft zu bekommen, was sich dann zur UL-Fliegerei entwickelt hat. Und warum sollte ein Drachen mit Motor nicht einen ohne solchen in die Luft ziehen können? Nach den Erprobungsprogrammen und Zulassungen war klar, in Seißen bleibt man am Ball. Die Möglichkeit, einen Hängegleiter auf eine beliebige Höhe, an eine Wolke (Thermik) schleppen zu können war zu verlockend. Kurzerhand wurde die Anschaffung eines Trikes beschlossen...

...gekauft wurde erst mal ein Gebrauchtgerät. Ein UPM mit Rotax 462
Erfahrungen hatten wir keine, geschweige denn, die Lizenz zum Fliegen. Also haben erst mal ein paar den UL-Schein gemacht, damit wir auch schleppen konnten.
Der Flügel war allerdings eine Katastrophe. Ein ausgelutschter "Profil", träge in der Steuerung.
Das Untersegel wie eine Bremsklappe um das Querrohr. Der Flügel wurde später ausgetauscht gegen einen "Lotus", dann hatten wir ein schlepptaugliches Gerät.
Dann wurde erst mal fleissig geschult, die Schleppberechtigungen mussten gemacht werden, sowohl Zieher als auch Hänger.
Das Trike hatte allerdings eine gewaltige Schwäche: Die Propelleranordnung, befestigung am Zylinderkopf, Kraftübertragung mittels Rillenriemen bei kleinem Durchmesser der Abtriebswelle, was eine hohe Riemenspannung erforderte, die wiederum den Zylinderkopf verformte, also die Zylinderkopfdichtung laufend undicht wurde.
Mit diesen Erfahrungen wurde einerseits gelernt auf was es ankommt bei einem Trike, andererseits wurden die Geräte natürlich immer ausgereifter. Mit der Anschaffung eines Cosmos/Chronos - Trike in 1995 waren die Seissener Drachenflieger endlich bestens ausgerüstet für den Drachen-UL-Schlepp.
Das Trike mit der 1. Fläche. ("Chronos")
Beim Jahrescheck 1999 hatten die Nähte leider nicht mehr die geforderte Festigkeit. (UV-Strahlung, Verwitterung)
In 2000 haben wir dann einen "Ghost" erworben. Der Flügel ist optisch nicht mehr so ansprechend, aber die Flugeigenschaften sind besser, wendiger und schneller.
Der Motor, Rotax 582 mit Elektrostarter, Doppelzündung, 64 Pferdchen über Getriebe 4:1 auf 3-Blattprop hat sich bisher sehr zuverlässig bewährt.
Hast Du Soundkarte, kannst Du Rotax hören >>
Mit der Winde war man im Vorteil gegenüber der halsbrecherischen Starterei von der Günzelburg, die 50 Meter ins Tal zu gleiten.
Mit dem Trike haben wir die perfekte Möglichkeit in die Luft zu kommen, mit dieser Startart können die Drachenflieger jede Thermik-Chance nutzen.