4. September 2004
Ein herrlicher Tag mit frühzeitigem Thermikbeginn. Der Wind aus Nord erschwerte die Aufbauentscheidung ob West oder Ost. Die Einen haben dann Ost aufgebaut, die Anderen West.
Robert war ganz ungeduldig, er hat sich was vorgenommen. Die Wolken haben ihn magisch angezogen. Rauf auf den Startwagen und ab die Post. Es war der Einzige Schlepp Richtung Ost, der Wind drehte auf NNW. Drei Piloten haben sich sportlich gezeigt und ihre Drachen zum Weststart getragen. Dort ging es dann recht ordentlich, bis zu Herbert's Crash.

Peter hat sich anständig ins Schwitzen gebracht als er seinen Atos auf dem Startwagen in voller Montur über die ganze Platzlänge geschoben hat. Flugsport !
Um so angenehmer war es dann in der Luft. Traumhaft!
Herbert im Höhenrausch. Schlepp auf 4200ft (GND)

Die Bilder sprechen für sich, da braucht es keine weiteren Kommentare. Fliegen wie ein Vogel - die schönste Art Flugsport!

Der Tag war gut, schöne Flüge, Strecke und Dreieck, prima Laune, einfach Genuß pur in der freien Natur.
Robert meldet sich bei Michel nach der Landung kurz vor Klippeneck.

Jetzt zu einem weniger schönen Kapitel. Alles hat zwei Seiten. So gibt es auch hier Momente die nicht sein müssten, aber man lernt auch aus Fehlern. So hatte Herbert einen Fehlstart auf dem Startwagen mit bösem Crash und hohem Sachschaden. Und das wegen einer Kleinigkeit. Der Drachen ist übel zugerichtet.
Uns sitzt noch allen der Schreck in den Knochen, Herbert mit Blutunterlaufener Schramme auf der Stirn, stellt sich hin als hätte er soeben einen Tiger erlegt. Alle Achtung! Knallharte verarbeitung von Schreckmomenten.
< Das Corpus delicti
Der Grund: Ein zehn Millimeter Ø Aluröhrchen der Heckflosse steht ebensoweit nach unten raus. Sollte eigentlich bündig sein, hat aber keine Begrenzung nach unten, nur Rückhalt durch Gummiring am Kielrohr. Beim Start aus dem Wagen rutscht das Kielrohr nach vorne aus der Holz-Auflage. In diesem Fall hat das Röhrchen an dem Brett (Pfeil) angeschlagen und so fest gedrückt, daß es den Wagen hinten angehoben hat, dieser wiederum das Kielrohr des Gleiters dermaßen nach oben gedrückt hat, dass der Drachen nicht mehr steigen konnte, sondern vor dem Wagen in den Dreck bohren mußte.
Wir müssen in Zukunft penibel darauf achten, daß solche Flossen bei Startwagen-nutzung entfernt werden bzw keine Teile einhaken können!
Robert L. 1900
Marcus-H-G 1300
Klaus S. 2200
Steffen H. 2000
Josef S. 2000
Peter K. 2500
Klaus S. 1300
Robby W. 2400
Andy M. 2800
Herbert G. 4200
Andy M. 3500
In nächster Zeit werde ich genauere Beobachtungen mit Video-Aufzeichnung anstellen, um genauere Positionen für die Anstellwinkel-Einstellungen der verschiedenen Gleiter zu finden. Bei gegebener Zeit werde ich dann eine eigene Seite über den Startwagen erstellen.
Bis dato sind wir mit dem Startwagen 326 mal sicher in die Luft gekommen und hatten nur zwei schadlose Fehlstarts. Der Wagen hat bis jetzt sehr sichere Starts ermöglicht. Ohne hätten wir teils gar nicht, teils kritische, wenn nicht sogar gefährliche oder verletzliche Starts hingelegt.
Nun zu den heutigen Flügen: Drei Gastpiloten und zwei Mitglieder waren auf Strecke, vier Mitglieder blieben im Platzbereich und viele sind noch im Urlaub.

Mail von Klaus:
...Da Josefs Auto kaputt ist und ich ihn in Nürtingen aufsammle, komme ich später als beabsichtigt in Seissen an. Das gibt gleich einen dicken Anpfiff von Startplatz-Chef Steffen H. wegen unpünktlichen Erscheinens... Da er widerum im Beamtenmodus aufbaut, bin ich dennoch vor ihm startklar und darf unter seiner Zustimmung auch vor ihm Starten. Das hilft aber nichts, da ich zu blöd bin, nach dem ersten auch einen zweiten Bart zu finden. So stehe ich unverhofft erneut am Start. Steffen dreht auf (wir wollten eigentlich zusammen zum Klippeneck fliegen), Robert und Marcus sind schon weg und Josef wartet unter der Basis. Irgendwas ist da falsch gelaufen. Nachdem 3 weitere Starts erfolgt sind, läßt mich freundlicherweise Robby vor, damit ich nicht komplett durchgereicht werde. Die ersten 6 Bärte sind zäh, ich bin kaum höher als 1600mNN bei meist weniger als 1m Steigen. Erst nach über einer Stunde bin ich das erste Mal an der Basis. Jetzt geht alles leichter. 1. Wende NO von Ulm, 2. Wende Amstetten, über Umweg nach Seissen. Hier ein Schreck, da auf der Landewiese ein ziemlich verbogener Drachen steht. Herbert hatte einen Fehlstart, er slbst ist aber zum Glück nahezu unverletzt geblieben. Viel mehr war leider nicht mehr drin, da die Thermik pünktlich Feierabend gemacht hat - es sei denn man ist früh gestartet. Vielleicht der letzte Flug in diesem Jahr, aber dafür ein sehr schöner. Gruss Klaus
Mail von Steffen:
...nochmals Danke für den Schlepp am Samstag. Bin wie besprochen alleine Richtung Klippeneck losgezogen. Ging trotz der niedrigen Basis ganz gut voran. Leider hat es immer mehr abgetrocknet. Über Beuron (habe das Schloss nicht gesehen) war es dann so blau, dass ich mir sicher war, dass ein weitergleiten mit absaufen belohnt werden würde, außerdem war mein Kurs zu weit östlich. Hab mich dann entschlossen nach Seissen zurück zu fliegen. Bei 10 - 15 km/h Wind auf die Nase und mäßiger Thermik ein hartes Unterfangen. Bin dann bis Zwiefalten zurückgekommen, also all in all wahrscheinlich so 110 km. Vielleicht kriege ich auch noch einen Tracklog aus meinem GPS. War ca. 4 h unterwegs, also fast mein längster Flug seit Jahren (sonst geht mir immer früher die Lust aus). Ein wunderschöner Flug über abgeernteten Feldern mit gemütlicher Thermik. Nur mit der Navigation hapert es immer noch. PS: Über der Donau zu gondeln ist ein Flug wert!
Mail von Robert:
Früh da und zackig aufgebaut stehe ich schon fix und foxi da, als Dieter eintrudelt. Nach ständig Südwestwind bei den letzten Flügen bin ich über die frühherbstliche NO-Lage sehr erfreut und schon etwas ungeduldig endlich in die Luft zu kommen.

Dank Startwagen geht´s auch trotz Seitenwind sicher in die Luft. Noch vor Sonderbuch finde ich den Einsteiger, muss dann aber doch noch unter Marcus sehr sehr tief abstauben um richtig aufzumüllern, dass war knapp vor einem Absaufer.

Oben angekommen sehe ich erst mal nix ! Irgendwie ist alles richtig trübe, fast schon nebelig von der hohen Luftfeuchte.
So dümpel ich dann mit dem Wind Richtung Süd, vermutlich nach Ehingen (ich seh ja nix und meine IFR-Ausrüstung habe ich zufälligerweise mal nicht dabei...).

Ab hier geht´s dann auch endlich mal höher und ich kann etwas mehr Gas geben. Vorbei an Hayingen und Gammertingen komme ich just nach Winterlingen, wo mich im Frühjahr schon mal die Babs abgeholt hat.
Der Überflug über das Truppenübungsgelände Messtetten bringt mich dann leider etwas aus dem Tritt und außerdem wird es gewaltig schnell immer blauer. Alles um mich herum trocknet ab, das Hochdruckgebiet füllt sich mächtig auf (es hält dann immerhin bis heute Freitag).

Hinter dem Übungsplatz angekommen, muss ich mich dann auch von sehr weit unten wieder ausgraben und so richtig toll geht´s danach leider auch nicht mehr hoch. Das Compeo zeigt nur noch 9 km bis zum gesteckten Tagesziel Klippeneck. Dabei fordert die
schlaue Elektronik eine Gleitzahl von 18,4. Zur Zeit bin ich aber nur mit 16,9 unterwegs und da vorne sieht es ein stückweit schlecht landbar aus. Die Feigheit (oder Vernunft) siegt und fliege nicht auf dem direkten Weg los, sondern biege nach Süd ab, weil da ein kleines Wölkchen weilt. Naja, bis ich da bin ist die Wolke vom Blauen verschluckt und es geht rapide runter zu den Kühen.

Zum Klippeneck hat es nicht ganz gereicht, aber ein toller Flug war es allemal.
Außerdem gab es 15 OLC Bundesligapunkte dafür und wir konnten an den Clubs Ingolstadt und Südschwarzwald vorbei vom 7. auf den 5. Gesamtplatz vorrücken.

Danke an Dieter für den Schlepp und mag er mir die Ungeduld verzeihen.

Gruß Robert
Drachenflieger vom TSV Seißen in der Bundesliga auf Platz 5 !   Bravo !